Trends der globalen Energiemärkte: Herausforderungen für eine verbindliche Klimaschutz-Vereinbarung

Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet in Paris die 21. UN-Klimakonferenz statt. In diesem Rahmen soll eine internationale Klimaschutz-Vereinbarung verabschiedet werden, welche als Nachfolgevertrag des Kyoto-Protokolls gilt und für die 195 Mitgliedsstaaten der UN-Klimakonvention verbindliche Ziele zum Schutz des Weltklimas setzen soll. Es wird unter anderem über das sogenannte Zwei-Grad-Ziel, auf dem der weltweite Anstieg der Durchschnittstemperatur stabilisiert werden soll, und den langfristigen Verzicht auf fossile Brennstoffe diskutiert. Außerdem sollen die im September 2015 von der UN-Generalversammlung verabschiedeten nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) einbezogen werden, um die Schwellenländer in ihren Bestrebungen des Kampfes gegen den Klimawandel solidarisch zu unterstützen.

Bei der Betrachtung der Trends der globalen Energiemärkte sind die heterogenen Ausgangspunkte und fragmentierten Interessenslagen der verschiedenen Staaten offensichtlich, diese schlagen sich in der spezifischen Klimapolitik und der Tragweite der ergriffenen Maßnahmen nieder. In den OECD-Ländern stagniert die Energienachfrage, wohingegen im asiatisch-pazifischen Raum und im Nahen und Mittleren Osten ein starker Zuwachs der Nachfrage zu verzeichnen ist. Die Herausforderung des Gipfels besteht darin, die Teilziele der Klima-Governance in einer international gültigen Vereinbarung zu kodifizieren, welche umfassend implementiert und deren Umsetzung kontrolliert werden muss. Gleichzeitig müssen in diesem Prozess die wichtigsten Interessen der verschiedenen Unterzeichnerstaaten und ihre unterschiedlichen Energieprofile berücksichtigt werden. Die Bearbeitung dieses Spannungsfelds wird durch die hohe Dynamik der multipolaren Energiemärkte zunehmend erschwert, welche das vermehrte Aufkommen geopolitischer Spannungen begünstigt. Technologische Entwicklungen wie die des Frackings verschieben die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Energiemärkte, sodass beispielsweise den USA eine relativ neue Rolle als Energieexporteur zuteilwird. Gerade die Entwicklung des Frackings ist aus klimapolitischer Sicht problematisch, da daraus ein Boom der nicht-konventionellen, fossilen Brennstoffe resultierte. Auch angesichts der rapide steigenden Energienachfrage in den Ländern Asiens bleibt fraglich, ob und inwieweit das Ziel eines „low-carbon-Energiesystems“ in naher Zukunft realistisch ist. In diesem Zusammenhang könnte auch die Ausweitung der Energie-Governance der eigentlich unerwünschten fossilen Rohstoffe sinnvoll erscheinen. Den paradigmatischen Herausforderungen von Energiesicherheit, Umwelt und Klimaverträglichkeit sowie Wirtschaftlichkeit vor dem Hintergrund dieser komplexen Gemengelage gerecht zu werden, stellt eine enorme Schwierigkeit des Verhandlungsprozesses um ein Abkommen dar.

In ihrem Beitrag „Globale Energiemärkte im Umbruch“ untersuchen Kirsten Westphal und Susanne Dröge die Dynamik der weltweiten Energiewirtschaft und ihren Einfluss auf die globale Klima- und Geopolitik (pdf Dokument in englischer Sprache).